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Trost im Leid

Diakon Guido Schütte

In der letzten Woche berichtete ich Ihnen von der Begegnung zwischen Edith Stein und einer jungen Witwe, die auch im Angesicht von Tod und Einsamkeit noch einen besonnenen und gefassten Eindruck hinterließ. Die Kraft dazu schöpfte sie aus dem Trost, der seine Wurzeln im Glauben an Jesus Christus und dessen Hingabe für die Menschen hat. Nicht umsonst war diese Begegnung für Edith Stein der Beginn ihres christlichen Weges.

Erschütternd ist es, wie heftig manche Familien in unserem Pastoralverbund von Not und Leid heimgesucht werden. Umso überraschender dann, wie sehr gerade diese Menschen Trost und Kraft im Glauben finden, anders gesagt: Wie sehr sie vom Trost Gottes umfangen werden.

Das hat auch der Apostel Paulus in dieser Weise kennengelernt. So schreibt er an die Gemeinde in Korinth: „Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind. Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.“ (2 Kor 1,3-4a.5)

Paulus sagt damit: Trost ist so etwas wie die Geheimwaffe Gottes im Angesicht von Not und Leid. Das Leid wird dadurch nicht unbedingt gemindert, aber erträglicher gemacht. Denn der Getröstete spürt in geheimnisvoller Weise, dass hinter seinem Leiden ein Sinn, ein Besseres, aufscheint, auch wenn das für ihn noch nicht konkret greifbar sein mag. Außerdem bekommt er stets eine so große Portion Trost, dass er diese göttliche Stärkung auch an andere Menschen weitervermitteln kann.

Verwechseln Sie das bitte nicht mit der von Kirchenkritikern gern bemühten „billigen Vertröstung“ auf das Jenseits: Es geht hier nicht um das verlegene, manchmal peinliche, menschliche Herauswinden, sondern um ein klares Gefühl, eine konkrete Erfahrung der Güte Gottes.

Trost ist nämlich eines der ganz großen Geschenke, die Gott uns in unserem Leben macht. Wenn wir ihn wirken lassen, dann richtet er uns liebevoll auf und hilft uns, aus eigener Kraft wieder nach vorn zu schauen. Erst dann sind wir in der Lage, die Ewigkeit, das „Jenseits“, unverstellt vor Augen zu haben. So wie Paulus, der im Brief an die Römer seine Aussagen zu Hoffnung und Bestimmung des Menschen in tiefer Feierlichkeit zusammenfasst:

Ich bin ganz sicher, dass alles, was wir zur Zeit erleiden, nichts ist, verglichen mit der großen Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte. Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.

Ohne eigenes Verschulden ist alles Geschaffene der Vergänglichkeit ausgeliefert, weil Gott es so verfügt hat. Aber er hat seinen Geschöpfen die Hoffnung gegeben, dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, wunderbaren Leben befreit werden. Darauf können wir zunächst nur hoffen und warten, obwohl wir schon gerettet sind. Hoffen aber bedeutet: noch nicht haben. Denn was einer schon hat und sieht, darauf braucht er nicht mehr zu hoffen. Wir hoffen also zuversichtlich auf etwas, was heute noch nicht sichtbar ist, und üben uns in Geduld und Vertrauen. (Röm 8,18-25 [Kammermayer]).

Sie müssen wissen, dass Albert Kammermayer, dem wir diese Ausgabe des Römerbriefes verdanken, auch zu den lebenslang schwer geprüften Menschen gehört. Mit seiner eindrucksvollen Übersetzung des Textes unterstreicht er dessen Wahrheitsgehalt aus eigener Erfahrung. Das mag wie eine Vertröstung klingen – aber sicher nicht wie eine „billige“!

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

 


 

Den gesprochenen Text dieses Beitrages finden Sie hier.

 

 

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