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„Totenehrung“ anstatt „Gottesdienst“?

Diakon Guido Schütte

Kürzlich traf ich im Internet auf die Präsentation eines Mannes, der sich als „freier Trauersprecher“ für individuell nach Wunsch gestaltete Trauer- und Grabreden empfiehlt. „Frei“ – damit meint er: Ungebundenheit an liturgische Riten, die in seinen Augen nur einen Kult und nicht den Verstorbenen berücksichtigen. „Totenehrung anstatt Gottesdienst“ lautet das Motto des bekennenden Konfessionslosen gleich auf der Startseite.

Ein solches Angebot will geprüft werden. Wenn ein Mensch tatsächlich mit dem Tod zu existieren aufhört – nur so kann dieser „freie Trauersprecher“ denken –, warum sollte eine „frei“ gestaltete Trauerfeier nicht ganz nett und wohltuend sein? Wozu dann der ganze gezwungene Kirchenzirkus? Ganz nach Wunsch fallen wohlgesetzte und schmeichelnde Worte, untermalt von angenehmer Musik, werden Wahrheiten zusammengebastelt, die Seelen der Trauernden eine Weile gestreichelt. Und danach? Danach geht's zum nächsten Toten.

Wäre dieser „freie Trauersprecher“ über die christliche Weltanschauung besser informiert, dann wüsste er, dass bei uns der Verstorbene wirklich im Mittelpunkt steht, freilich aus einem ganz anderen Blickwinkel:

Genau genommen ehren wir keine Toten. Und zwar deshalb nicht, weil es für Christen – im hier bedachten Sinne – keine Toten gibt! Gott „ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden“ (Mt 22,32), sagt Jesus Christus. Sterben ist also nicht Beendigung der Existenz, sondern Übergang in das Ewige Leben! „Als das Volk das hörte, war es über seine Lehre bestürzt“ (Mt 22,33), berichtet das Evangelium. Bestürzt begreifen die Menschen, dass ihnen in dieser Wahrheit die ganze Wucht des wirklichen Heils zugesprochen wird!

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Gottesdienst“. Damit ist gerade nicht gemeint, dass wir „Gott dienen müssen“. Was Opfer und Dienst aus christlicher Sicht bedeuten, das hat Christus selbst ein für alle Mal am Kreuz geklärt, als er Opfergabe und Diener aller Menschen wurde. Gottesdienst heißt eigentlich: „Gottes Dienst an uns“ – hier konkret: Gottes liebevolle Hinwendung zu dem Verstorbenen, den er in sein Reich einlädt.

Und wir? Erweisen wir dem Verstorbenen (und auch den Hinterbliebenen) nicht genau damit den größten Dienst, dass wir ihn Gott anempfehlen, ihn segnen? Wer kennt den Verstorbenen besser als Gott selbst, der ihn erschaffen hat? Ein solcher Dienst ist – Gott sei Dank! – unabhängig von der Qualität seiner Darbietung.

Sicher ist die offizielle liturgische Form einer Begräbnisfeier in der Regel kein Paradebeispiel für Individualität. Wenn ich allerdings am Ende einer solchen Feier am Grab stehe und das Buch schließe, dann kann ich mit gelassener Sicherheit darauf vertrauen, dass für und über den Verstorbenen das Nötige gesagt worden ist, dass sein Leben in der Hand des Herrn ruht.

Und bisher durfte ich erfahren, dass die Hinterbliebenen genau diese tröstende Tatsache im Herzen mit nach Hause genommen haben.

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

 


 

Den gesprochenen Text dieses Beitrages finden Sie hier.

 

 

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