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Stille und Schweigen

Pater Michael Janmieling

Ein Pfarrer versuchte mal seiner Gemeinde klar zu machen, wie zerstreut und abwesend alle beim Gottesdienst sind. Eines Sonntags fügte er den Fürbitten eine Bitte hinzu, welche lautete: „Herr unser Gott, wir bitten dich, dass du die Waschkraft des Weißen Riesen erhöhen mögest.“ Und was glauben Sie was die Gemeinde antwortete? Natürlich: „Wir bitten dich, erhöre uns.“

Dies ist keine erfundene Geschichte. Sie könnte sich sicher auch bei uns so abspielen. Seien wir doch ehrlich, wissen sie noch, wofür Sie am letzten Sonntag in den Fürbitten gebetet haben? In unseren Gottesdiensten geht oft vieles schnell an uns vorbei. Bevor ein Gedanke in uns Fuß fassen kann, erscheint schon die nächste Liedzahl auf der Anzeige. Gerade wenn wir das Wort Gottes in uns aufnehmen wollen, geht die Predigt schon los, und ehe sie zu Ende ist, schauen wir schon auf die Uhr.

Was fehlt uns eigentlich so oft in unseren Gottesdiensten? Ich denke, es ist die Stille und das Schweigen. Gemeinsam im Gottesdienst zu schweigen ist für die meisten ungewohnt. Pausen und Stille erscheinen uns oft wie eine kleine Panne. Somit wird die Stille schnell mit Kirchenliedern überspielt. Wer schon mal in Taizé war  und dort einen Gottesdienst mitgefeiert hat, ist beeindruckt von der Atmosphäre. Wenige Sätze des Evangeliums, wenige Worte von Gebeten und einige Minuten des gemeinsamen Schweigens und des Hinhörens, und das mit Tausenden von Menschen.

Keine Angst, ich glaube nicht, dass wir lange Schweigemeditationen in unseren Gottesdiensten einführen müssen. Es gibt so vieles, was schon da ist. In jedem sonntäglichen Gottesdienst sollte es ja die kleinen Momente der Stille geben: Die Stille vor dem Gottesdienst, das kurze Innehalten beim Bußakt, der kurze Augenblick nach einer biblischen Lesung, die Reflexion der Predigt, die beim Gedenken an die Verstorbenen, die Ruhe nach dem Empfang der Kommunion, und vielleicht auch mal die Stille auf dem Weg nach Hause.

Schweigen heißt nicht: „Jetzt halt mal den Mund, falte die Hände und sei andächtig!“ Schweigen ist ein aktives Handeln, man muss es lernen und üben. Im Schweigen kann die Gegenwart Gottes in uns ankommen. Es ist eine Haltung, die uns hilft, Gott sprechen und handeln zu lassen. Es lohnt sich zum Beispiel, im Schweigen einen Satz oder ein Wort aus den Lesungen nachklingen zu lassen.

Dann dauert die Messe ja noch länger!“, höre ich schon manche kritisieren. Und da kann ich nur sagen, wenn wir mit dem Faktor Zeit in unserem Alltag so geizig umgehen würden wie in den Gottesdiensten, wo fast jede Minute zählt, dann müssten wir alle viel Zeit haben.

 

P. Michael Janmieling

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