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„Reformation in ökumenischer Perspektive“

Pater Norbert Wientzek

Unter diesem Titel hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Arbeitshilfe zum Thema „500 Jahre Reformation“ herausgegeben. Es ist eine Sammlung verschiedener Dokumente, die auf ökumenischer Ebene in den letzten Jahrzehnten erschienen sind, und es sind nicht wenige dabei, die in der heutigen schnelllebigen Zeit in Vergessenheit geraten. Aus dem Dokument „Martin Luther-Zeuge Jesu Christi“, das die Gemeinsame Römisch-katholische/Evangelisch-lutherische Kommission anlässlich des 500. Geburtstages Martin Luthers im Jahr 1983 erstellt hat, möchte ich einiges entnehmen.

Als Kernsatz des Papiers kann der Satz gelten: „Man beginnt, ihn gemeinsam als Zeugen des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer zur geistlichen Erneuerung zu würdigen“. Was können evangelische und katholische Christen heute gemeinsam von Luther lernen? Johannes Willebrands, der damals für den ökumenischen Dialog verantwortliche Kardinal, hat es folgendermaßen formuliert: „Er mag uns darin gemeinsamer Lehrer sein, dass Gott stets Gott bleiben muss und dass unsere wichtigste menschliche Antwort absolutes Vertrauen und die Anbetung Gottes zu bleiben hat“.

In dem Dokument werden einige Verdienste Luthers erwähnt:

  • Als Theologe, Prediger, Seelsorger, Liederdichter und Berater hat Luther in ungewöhnlicher geistlicher Konzentration die biblische Botschaft von Gottes schenkender und befreiender Gerechtigkeit neu bezeugt und zum Leuchten gebracht
  • er verweist uns auf die Priorität des Wortes Gottes in Leben, Lehre und Dienst der Kirche
  • er ruft uns zu einem Glauben, der unbedingtes Vertrauen zu dem Gott ist, der sich im Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes als der uns gnädige Gott erwiesen hat
  • er lehrt uns, die Gnade Gottes als personenhafte Beziehung zum Menschen zu verstehen, die an keine Bindung geknüpft ist und frei macht vor Gott und für den Dienst am Nächsten
  • er bezeugt uns, dass menschliches Leben allein durch Gottes Vergebung Grund und Hoffnung erhält
  • er ruft die Kirche dazu auf, sich ständig vom Wort Gottes erneuern zu lassen
  • er zeigt uns als Theologe, dass sich die Erkenntnis der Barmherzigkeit Gottes nur dem Betenden und Meditierenden erschließt, den der Heilige Geist von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt und – gegen alle Anfechtungen – in dieser Wahrheit erhält und stärkt
  • er mahnt uns, dass es Versöhnung und christliche Gemeinschaft nur dort geben kann, wo man dem „Maßstab des Glaubens“ mit dem „Maßstab der Liebe“ folgt, die nur das Beste von jedem denkt und nicht argwöhnisch ist, nur das Gute über den Nächsten glaubt und jeden Getauften einen Heiligen nennt.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem Zitat von Papst Benedikt XVI. beenden, das er bei der Begegnung mit Vertretern des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Kapitelsaal des Augustinerklosters in Erfurt 2011 gesagt hat: „Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott – diese brennende Frage Luthers muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden, nicht akademisch, sondern real. Ich denke, dass dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten.“


Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
P. Norbert Wientzek SVD

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