Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

„Missionarin auf Zeit“ im Andengebiet Boliviens

V.l.n.r.: Dani, Valeria, Elisabeth Mölder, Frida, Oscar, Ricardo

Liebe Gemeinde,

ich möchte Ihnen heute von einer Zeit erzählen, die mein Leben so intensiv geprägt hat wie keine andere. Ein Jahr lang habe ich als „Missionarin auf Zeit“ im Andengebiet Boliviens gelebt, gearbeitet und gebetet. Mitleben, mitarbeiten, mitbeten - dies ist das Motto junger Christen, die sich für einen bestimmten Zeitraum aufmachen, um neue Erfahrungen zu machen, außergewöhnliche Menschen und Kulturen kennenzulernen. Junge Christen, die sich bewusst dafür entscheiden, in Ordensgemeinschaften mitzuleben, um Gott, und letztendlich auch sich selbst zu entdecken.

Meine Zeit als „Missionarin auf Zeit“ habe ich in Cochabamba verbracht, eine der größten Städte Boliviens. Hier habe ich mich in einem der vielen Kinderheime zusammen mit drei Schwestern um die verwahrlosten und ungewollten Kinder gekümmert. Ich habe sie den ganzen Tag begleitet: Sie morgens geweckt, mit ihnen gegessen, mit ihnen Hausaufgaben gemacht, sie in Mathe, Englisch und Musik unterrichtet, mit ihnen die Freizeit gestaltet und schließlich abends wieder ins Bett gebracht. Gleichzeitig war ich ihnen gute Freundin, Schwester, Lehrerin und manchmal wohl auch wie eine Mutter.

Meine Zeit in Bolivien prägt mich bis heute. Zu Beginn meiner Auslandszeit dachte ich häufig, ich würde den Menschen in Südamerika etwas geben können, ihnen helfen, sie mit meinem europäischen Wissen weiterbringen. Im Nachhinein bin ich schlauer: Ich bin diejenige, die beschenkt worden ist, die überall freundlich empfangen wurde. Die Menschen in Bolivien haben mir gezeigt, was es bedeutet, das Leben mit seinen kleinen Dingen zu schätzen und zu lieben. Bolivianische Menschen schätzen die Zeit, sie schätzen den anderen: Wie oft bleiben sie, wenn sie jemanden sehen, den sie kennen, stehen und nehmen sich die Zeit danach zu fragen, wie es dem anderen geht. Es gibt keine Hektik, zu spät zu kommen, keine Sorge, dass nicht genug Zeit für sich selbst bleibt.

Vielleicht können wir uns in diesem Punkt ein Beispiel an den Bolivianern nehmen und uns wieder mehr Zeit zum Leben und für die wesentlichen Dinge nehmen. Wenn uns dies gelingt, nehmen wir unsere Mitmenschen wieder bewusster wahr und können sie wieder annehmen, so wie sie sind.

 

Einen guten Start in die Fastenzeit wünscht Ihnen

Elisabeth Mölder

12.286.542  Besucher seit 09.2009