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Gott an meiner Seite

Gemeindereferentin Anne Frank

Als Kinder haben wir manchmal ausprobiert, wie sich das anfühlt, Ohren zuhalten und in sich hineinhören, Ohren wieder öffnen und den Alltagslärm mitbekommen. Hinein in die eine Welt, wieder hinaus in die andere Welt. Bei den einzelnen Karnevalsveranstaltungen dieser Tage geht es mir ähnlich: Eben noch in aller letzter Minute einen Parkplatz gefunden, den Hut aufgesetzt und kaum habe ich die Tür geöffnet, trete ich in eine andere Welt, umfängt mich Fröhlichkeit, ein liebevoll geschmückter Saal, Musik spielt, es duftet nach Kaffee und Würstchen, „bunte“ Menschen sitzen zusammen, unterhalten sich, schunkeln, werfen ihre Arme in die Luft und rufen den karnevalistischen Akteuren ein freudiges „helau“ entgegen. Verlasse ich gegen Ende die Veranstaltung und trete wieder durch die Tür ins Freie, so umfängt mich sogleich der Alltag mit all seiner Normalität, seinen Pflichten und Sorgen als wäre der eben erlebte Frohsinn nur ein Traum gewesen. Wozu also all die karnevalistischen Feste und Umzüge mit mehr oder weniger verkleideten Menschen? Bei Kindern können wir das noch nachvollziehen, Kinder haben Träume, die sie in den bunten Tagen einfach leben. Da sind schnelle Leoparden, die ihr Kuschelfell so schön finden, Prinzessinnen und Feen, die sich hofieren lassen, mutige Indianer, Cowboys oder andere Helden, die sich auf Grund ihrer Stärke und Geschicklichkeit vor niemandem fürchten, Vampir-Mädchen, die auf ihren Traumhelden hoffen, Piratenfamilien, die am Piratentag die Wurst und den Kuchen mit den Fingern essen, Außerirdische, welche die seltsame Erde erkunden und Viele mehr. Aber wir Erwachsene, die wir schon ein ganzes Stück Leben gelebt haben, die wir längst wissen, dass die meisten Träume zerplatzen wie Luftballons, die wir alle unsere Lasten zu tragen haben, ist es da nicht albern, sich ein Hütchen aufzusetzen oder gar noch ein Kostüm zu schneidern und auf „Kommando“ lustig zu sein? Vielen mag es so erscheinen, ich erlebe es anders. Karneval ist für mich einer Art Tankstelle für scheinbar Vergessenes geworden. Ich werde ermutigt, wieder meine Träume anzuschauen, beim Schunkeln Menschen wahrzunehmen, die mir vorher nicht aufgefallen sind, Talente bei anderen zu entdecken, die ich nie vermutet hätte. Ich habe die Möglichkeit, ein Stück Frohsinn zu tanken und so gestärkt zurück in meinen Alltag zu gehen. Und Gott? Wenn er der Gott des Lebens, der Lebendige ist, dann geht er mit, er ist an unserer Seite, im Lachen und im Weinen.

Gott, sei an meiner Seite, wenn ich lache und fröhlich bin
    und mich an der Sonnenseite des Lebens erfreue.
Gott, sei an meiner Seite, wenn die Eintönigkeit und Farblosigkeit des Alltags mich einholen,
    dass ich den Mut nicht verliere.
Gott, sei an meiner Seite, wenn mich die Lasten des Lebens niederdrücken,
    dass ich Halt finde in dir.
Gott, sei an meiner Seite, wenn Ungeduld und Rastlosigkeit mich einholen,
    dass ich wachse in der Demut und im Frieden des Herzens.
Gott, sei an meiner Seite, wenn ich mich minderwertig fühle,
    dass ich weiß, ich bin wertvoll, so wie du mich geschaffen hast.
Gott, sei an meiner Seite, wenn mich lieb gewordene Gewohnheiten fesseln,
    dass ich sie im Blick auf dich lösen kann.
Gott, sei an meiner Seite, wenn ich Sehnsucht habe nach „Mehr“ vom Leben,
    dass mein Herz entbrennt in Liebe zu dir.

 

Ihnen und Ihren Familien noch einige gesegnete und fröhliche Karnevalstage und einen guten Start in die Fastenzeit.

 

Ihre Anne Frank

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