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Auf ein Wort!

Pastor
Peter Lauschus

Plötzlich springt es mich aus der Ecke an: „Auf ein Wort!“ ist fällig. Was nun? Verzichten auf den Platz? Nein! Wie heißt es bei Jeremia: „Nie wird dem Priester die Weisung ausgehen, dem Weisen der Rat und dem Propheten das Wort!“ (18,18) Das passt zwar nicht ganz, da ich kein Prophet bin, aber irgendwie geht es ja doch. Aber wenn es hier um mehr ginge als um einen Aufhänger, dann wäre es falsch. Man kann nicht einfach einen Vers herausnehmen und mit ihm etwas beweisen wollen: „Das steht doch so in der Bibel oder im Katechismus oder in einer Enzyklika!“ zu sagen, reicht oft nicht. Man muss den Kontext beachten: Wann wurde es, von wem, in welcher Situation gesagt? Und manchmal ist das gar nicht so leicht. In letzter Zeit hatte ich eine lange (Internet-) Diskussion mit jemanden, der mir das Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis machen!“ um die Ohren hieb und damit beweisen wollte, dass wir Katholiken doch Götzendiener sein würden. Mein Versuch ihm zu erklären, dass mit „Bildnis“ nicht irgendwelche Bilder oder Figuren gemeint waren, sondern Götterbilder, in denen der Gott anwesend gedacht wurde und damit der Manipulation durch die Menschen zugänglich, perlte an ihm ab. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man ein Bild oder eine Figur nutzt, um die Gedanken zu konzentrieren und das Gebet dadurch intensiver zu machen, oder ob man das Götterbild schlägt, wenn der Gott nicht liefert, was er soll. Und darum geht es: Das Gebot verbietet es, ein Bild herzustellen, um den Gott Israels buchstäblich in die Finger zu bekommen. Als dieser Zusammenhang nicht mehr gesehen wurde, wurde es absolut gesetzt und jedes Bildnis wurde verboten.

So geht es auch mit vielen anderen Geboten: Ursprünglich sollten sie dem Leben dienen, mit der Zeit aber verloren sie ihren Sinn. Ein gut katholisches Beispiel: „Am Freitag nur Fisch!“ Ursprünglich war es dafür da, dass man vor dem Sonntag an einem Tag sparsam lebte, um am Sonntag etwas für die Armen zu haben. Wenn man heute in ein gutes Fischrestaurant gehen würde, um dem Gebot zu folgen, würde man es gerade nicht befolgen, denn nicht der Fisch ist das Zentrum, sondern das Gedenken an die Armen. Aber es ist meist natürlich einfacher dem Wortlaut stur zu folgen, als darüber nachzudenken, was die Bedeutung ist. Einer, der die Kirche aus diesem Beharren herausführen will, ist Papst Franziskus. Das sieht manchmal so aus, als ob er dadurch alte Traditionen zerstören würde, aber in Wirklichkeit bringt er den inneren Kern der Tradition zum Leuchten.

Ich wünsche ihnen, dass sie etwas von diesem Leuchten verspüren und ihr Leben dadurch (noch) heller wird.

Peter Lauschus, Vikar

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